COOLEKTIV Convent entwickelt konkretes Zukunftsszenario

COOLEKTIV Convent entwickelt konkretes Zukunftsszenario

Neues Berufsbild, Umgang mit alternativen Kältemitteln und Investitionssicherheit
für die Kälte/Klima-Branche

 

Auf die Herausforderungen der Kälte/Klima-Branche mit zukunftsweisenden Lösungen antworten – dieses Ziel hat der COOLEKTIV Convent am 7. November in der Zeche Zollverein in Essen erreicht. Die rund 100 Teilnehmer arbeiteten gemeinsam an Lifecycle-Betrachtungen und Öko-Effizienzmodellen, den Inhalten eines neu zu schaffenden Berufsbilds sowie praxisnahen Fortbildungsinhalten. Sie formulierten außerdem konkrete Empfehlungen an den Gesetzgeber.

Auf Initiative der Westfalen Gruppe hat sich am 16.10.2018 COOLEKTIV gegründet. Die Ergebnisse des ersten Arbeitsjahres wurden allen Marktteilnehmern vom Kälteanlagenbauer über Betreiber und Planer bis hin zur Industrie, beim COOLEKTIV Convent vorgestellt. In Fachforen und bei der abschließenden Podiumsdiskussion war die Branche gebeten aktiv mitzuwirken. Fachlichen Input lieferte Jörg Peters von der Bundesfachschule Kälte-Klima-Technik in Maintal zur Situation der Ausbildung im Spannungsfeld der Kälte- und Klimatechnik. Manfred Rössling, Funktionsbereichsleiter Immobilien Bauen Energiemanagement der Rewe Group, zeigte die Strategie des Unternehmens hin zum klimaneutralen Rewe-Supermarkt im Jahr 2050. Stefanie Hugot, Leiterin der Koordinierungsstelle Stadtentwicklung Bottrop, zeigte mit dem Konzept der Innovation City der Stadt Bottrop wie klimaschonende Lösungen eine grüne Zukunft der Kommune ermöglichen. Eine der Säulen des Innovationskonzepts ist die CO2-Minderung des Gebäudebestands in der Stadt.

Aus- und Fortbildung: Klare Forderung nach neuem Berufsbild

91 Prozent der Teilnehmer des COOLEKTIV Convent haben sich klar für ein neues, zusätzliches Berufsbild „Mechaniker für Kältetechnik“ ausgesprochen. In einem interaktiven Fachforum diskutierten sie in Kleingruppen konkrete Ausbildungsinhalte und entwickelten einen ersten Muster-Lehrplan. Nachdem neue Technologien aber nicht nur in der Aus-, sondern auch in der Fortbildung eine wichtige Rolle spielen, entwickelte das Fachforum Ideen für digitale Formate von Webinaren über Podcasts bis hin zu Youtube-Tutorials.

Betreiber und Planer: Entscheidungshilfe für neue Technologien

Das Fachforum Betreiber und Planer diskutierte die Lifecycle-Betrachtung für Investition und Betrieb. Das Modell bietet konkrete Entscheidungshilfen für die Investoren. Denn der größte Anteil der Investitionskosten entfällt mit 13-18 Prozent auf die Kühlmöbel (NK und TK).

Eine erste Checkliste zum Thema Service von Anlagen wurde vorgestellt und erläutert. Die Teilnehmer hatten die Aufgabe diese zu bewerten und in Gruppenarbeit zu ergänzen. „Bei der Verwendung von brennbaren Kältemitteln“, so Harald Conrad, Technischer Berater Kältemittel der Westfalen AG, „ist es zwingend erforderlich, geschultes Personal einzusetzen und die Sicherheitsvorschriften einzuhalten.“

Die Teilnehmer gaben der Initiative COOLEKTIV die Aufgabe mit auf den Weg, weitere Informationen zur Brennbarkeit sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen praxisgerecht aufzubereiten.

Politik: Schwarzmarkt bekämpfen und HFO fördern

Jörn Schwarz von Ice-TeX eröffnete mit zahlreichen Daten und Fakten den Politik-Teil des Convents: Im Ergebnis forderte er eine Trendwende beim Energieverbrauch. Zukünftig müssten die Emissionen aller Treibhausgase – nicht nur CO2 – deutlich verringert werden. Wolfgang Zaremski von Asercom AISBL stellte danach die politische Arbeit von COOLEKTIV vor. Im Mittelpunkt der vergangenen Monate stand die Unterstützung von Bund und Ländern bei der Bekämpfung des Schwarzmarkts. Illegale Kältemittel werden unkontrolliert über Europas Grenzen in den Binnenmarkt gebracht und über Online-Plattformen gehandelt. Dabei geht es in erster Linie um die Sicherheit der Anwender: Falsche Kennzeichnungen von Flaschen und die Befüllung mit unbekannten Gemischen können im Bereich der brennbaren Kältemittel zu schweren Unglücken bei der Anwendung führen.

Kritik an der Förderpraxis der Bundesregierung wurde in der anschließenden Podiumsdiskussion laut: Während die Branche den Wunsch nach einer Förderung der Entwicklung und des Einsatzes von HFO (Hydrofluorolefine) äußerte, lehnte Prof. Dr. Wolfgang Plehn vom Umweltbundesamt dies ab. Da Produkte einiger HFO in der Natur nicht abbaubar seien, gebe es wissenschaftliche Bedenken. „Für die Bundesregierung ist eine langfristige Perspektive ausschlaggebend für Förderung. Höhere Kosten z. B. für Explosions-Schutz begründen die Förderung natürlicher Kältemittel.“, erläuterte Plehn.

Intensiv erörtert haben die Teilnehmer auch die Emissionsverringerung durch den Einsatz von Wärmepumpen, die sowohl Wärme als auch Kälte erzeugen und damit die höchste Energieeffizienz aufweisen. Sie gelten als eine zukunftsfähige Lösung zur CO2-Minderung, insbesondere wenn sie über den Wohnbau hinaus im Gewerbebau und in der Industrie eingesetzt werden.

https://www.coolektiv.de/coolektiv-convent/